Verblüffend Private: Wenn das Betriebsvermögen in der Familie bleibt …
Shownotes
Ob Hof oder Firma: Vermögensübertragung bleibt ein wichtiges und selten einfaches Thema, wenn innerhalb von Familien die Nachfolge in Betrieben geregelt wird. Darum geht es in dieser Fortsetzung des Podcasts „Vermögensübertragung – meistens geht es ums Einfamilienhaus“. Rechtsanwalt und Notar Björn Wesler (KTH und Partner, Dorsten) und Private-Banking-Berater Klaus Niehüsener (Vereinte Volksbank) berichten aus ihrem Arbeitsalltag.
Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten
Die hier angebotenen Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise zu einzelnen Arten von Finanzinstrumenten. Sie stellen die Chancen und Risiken der Anlageprodukte nicht abschließend dar und sollen eine ausführliche und umfassende Aufklärung nicht ersetzen. Detaillierte Informationen über Anlagestrategien und einzelne Anlageprodukte, einschließlich damit verbundener Risiken, Ausführungsplätze sowie Kosten und Nebenkosten, stellen wir Ihnen vor Umsetzung einer Anlageentscheidung im Rahmen der Beratung zur Verfügung.
Transkript anzeigen
Ralf Bröker: Mein Name ist Ralf Bröker und heute zu Gast im Volksbanktalk mein Kollege Klaus Niehüsener.
Klaus Niehüsener: Hallo Ralf.
Ralf Bröker: Und Björn Wesler.
Björn Wesler: Hallo Ralf.
Ralf Bröker: Übrigens auch Mitglied bei uns im Aufsichtsrat, aber eben auch von der Anwaltskanzlei Notar.
Björn Wesler: KTH & Partner hier.
Ralf Bröker: Ganz genau.
Björn Wesler: Genau, bin Notar. Vielen Dank.
Ralf Bröker: Immer gerne. Klaus, dein Job in der Vereinten Volksbank, du hast beim letzten
Ralf Bröker: Mal schon mal gesagt, als wir zusammengesessen haben und beim Thema Vermildungsübertragung,
Ralf Bröker: hauptsächlich über das ein Familienhaus, das innerhalb der Familie übertragen wird.
Ralf Bröker: Du bist Private Banking-Kollege, aber du hast eine Spezialfunktion in diesem Private Banking.
Klaus Niehüsener: Genau, ich betreue bei uns im Private Banking hauptsächlich Firmenkunden,
Klaus Niehüsener: das heißt Unternehmenskunden, Freiberufler, aber auch Selbstständige.
Klaus Niehüsener: Und da kommt das Thema Vermögensübertragung gerade im Unternehmensbereich natürlich
Klaus Niehüsener: noch eine besondere Bedeutung zu.
Ralf Bröker: Björn, dann bist du ja sozusagen in doppelter Hinsicht heute hier am Tisch,
Ralf Bröker: weil Freiberufler und so und auf der anderen Seite eben, ihr habt auch immer
Ralf Bröker: mal wieder Unternehmer, Unternehmerinnen, die ankommen und zum Thema Vermögensübertragung
Ralf Bröker: das ein oder andere an Rat oder Notariat brauchen.
Björn Wesler: Ja, das ist richtig. Einmal als Freiberufler hier, aber dann halt auch als Berater
Björn Wesler: und Unterstützer für Unternehmen in erbrechtlichen oder aber auch dann vermögensrechtlichen
Björn Wesler: Themen, also gesellschaftsrechtlichen Themen, wenn es darum geht, wer soll denn,
Björn Wesler: die Gesellschaft fortführen oder wie gestaltet man das Ganze,
Björn Wesler: weil da gibt es halt auch so zwei, drei Sachen, die man beachten darf.
Ralf Bröker: Ja. Klaus, ist das ein sehr häufiges Thema bei dir am Tisch,
Ralf Bröker: die Übertragung von Unternehmen? Jetzt erstmal persönlich, also ich komme aus
Ralf Bröker: Marketing, ich bin ja ganz weit weg von diesen ganzen Geschichten.
Ralf Bröker: Ich lese davon nicht so viel in der Zeitung. Das kommt viel seltener vor,
Ralf Bröker: als man vielleicht denkt.
Klaus Niehüsener: Ja, so selten dann auch wieder nicht. Es ist einfach ein Thema,
Klaus Niehüsener: gerade wenn es unter anderem aus Altersgründen an die Unternehmensnachfolge
Klaus Niehüsener: geht, aber auch schon natürlich, wenn,
Klaus Niehüsener: oftmals im Familienunternehmen die Folgegeneration in einem Alter ist,
Klaus Niehüsener: das Ausbildungsstudium beendet ist, Einstieg ins Studium,
Klaus Niehüsener: oder Einstieg ins Unternehmen nach dem Studium eben erfolgt,
Klaus Niehüsener: dass dann auch Verantwortung in Form von Unternehmensanteilen durchaus auch
Klaus Niehüsener: auf die jüngere Generation übertragen werden sollen.
Ralf Bröker: Das ist ja schon mal so eine Richtung. Das ist ja nicht der Normalfall,
Ralf Bröker: dass ein Unternehmen in Gänze an eine andere Person in der Familie übertragen wird, oder?
Björn Wesler: Ich glaube, zumindest hier in Dorsten, glaube ich, schon häufiger.
Björn Wesler: Vielleicht nicht in einem Akt, sondern eher so sukzessive, dass man erstmal
Björn Wesler: Anteile überträgt und dann ein paar Jahre später die nächsten Anteile.
Björn Wesler: Hier in Dorsten, so habe ich das Gefühl, wird viel noch das Inhab der Familie
Björn Wesler: weitergegeben. So Fremdverkäufe hier in Dorsten, das haben wir,
Björn Wesler: glaube ich, selten, aber im Unternehmen, wenn ich das so aus meiner Sicht beurteilen kann.
Ralf Bröker: Heißt das, dass es hier in Dorsten, aber womöglich dann auch Bottrop-Kirchhellen,
Ralf Bröker: noch sehr familiär zugeht, man eng zusammen ist oder was ist der Grund dafür?
Ralf Bröker: Wenn du mal so spekulierst.
Klaus Niehüsener: Ja, ich glaube schon, dass hier in Dorsten und Umgebung ja gerade im ländlichen
Klaus Niehüsener: Bereich, wenn ich da bei uns im Geschäftsgebiet schaue, natürlich,
Klaus Niehüsener: gerade im Bereich Landwirtschaft, natürlich ganz häufig der Bereich so ist,
Klaus Niehüsener: dass entsprechend da der Sohn oder auch die Tochter der Hoferbe wird und dann
Klaus Niehüsener: eben das Unternehmen, den landwirtschaftlichen Betrieb auch da übernimmt.
Klaus Niehüsener: Aber eben auch gerade bei vielen Unternehmen, das schon familiär geprägt ist
Klaus Niehüsener: und da auch dann die Folgegenerationen eben reinwachsen.
Ralf Bröker: Ist ein Mittelstandsthema. Da ist man, glaube ich, auch immer noch froh,
Ralf Bröker: wenn die Dinge dann im Familienunternehmen bleiben.
Björn Wesler: Ja, das ist auf jeden Fall so. Man weiß, in welche Hände man das dann weitergibt.
Björn Wesler: Ich glaube, das ist auch so ein bisschen der Grundgedanke dahinter,
Björn Wesler: wenn man ein Unternehmen aufbaut und dann überlegt, was damit passieren soll.
Björn Wesler: Schöner ist, das in der Familie weiterzugeben, als wenn man dann irgendwann
Björn Wesler: versucht, einen Fremdkäufer zu finden.
Björn Wesler: Besonders wenn es dann im Alter ist, Dann kommt irgendwann auch der Druck,
Björn Wesler: dass man das ja weitergeben möchte und dann wird es schwieriger mit der Verhandlungsposition.
Björn Wesler: Das haben wir so ein paar Mal schon erlebt, dass dann, wenn kein Familienmitglied
Björn Wesler: das Unternehmen weiterführen möchte, ist es echt schwierig, das Unternehmen
Björn Wesler: an fremde Personen weiterzugeben.
Ralf Bröker: Also ich habe ja gelernt, diese ganze Geschichte mit der Vermögensübertragung
Ralf Bröker: hat auch was mit Steuern zu tun. Jetzt haben wir keinen Steuerberater hier am
Ralf Bröker: Tisch und ich weiß auch, dass jeweils ein Steuerberater dazugerufen wird,
Ralf Bröker: wenn es denn in diese Fachdetails geht.
Ralf Bröker: Aber Klaus, ist das denn ein Hauptgrund, warum Vermögensanteile übertragen werden
Ralf Bröker: oder geht es dann, wenn es um Unternehmen geht, tatsächlich um diese Tradition,
Ralf Bröker: dass man das Unternehmen
Ralf Bröker: weiter in dem eigenen Sinne durchaus weitergeführt wissen will?
Klaus Niehüsener: Sowohl als auch. Also natürlich möchte man das Unternehmen gerne im eigenen
Klaus Niehüsener: Sinne weitergeführt wissen und auch möglichst über das eigene Ableben hinaus
Klaus Niehüsener: sogar in Folgegenerationen weitergeführt wissen.
Klaus Niehüsener: Aber bei Unternehmenswerten reden wir natürlich oftmals über Beträge,
Klaus Niehüsener: die jegliche Freibeträge sprengen.
Klaus Niehüsener: Und wenn dann da größere Summen an Schenkungs- oder Erbschaftssteuern anfallen
Klaus Niehüsener: würden, kann das theoretisch auch existenzbedrohend für so ein Unternehmen werden.
Klaus Niehüsener: Natürlich gibt es da auch gewisse Freibeträge bzw. gewisse Möglichkeiten über,
Klaus Niehüsener: Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern die Werte bzw. die Freibeträge zu erhöhen.
Klaus Niehüsener: Aber das muss man natürlich auch rechtzeitig planen und frühzeitig angehen.
Ralf Bröker: Rechtzeitig planen, frühzeitig angehen, das ist ein gutes Stichwort, Björn.
Ralf Bröker: Wann kommt denn so üblicherweise die Unternehmerin der Unternehmer zu dir und
Ralf Bröker: sagt, ja, also jetzt so langsam sollte ich mal damit anfangen?
Björn Wesler: Wenn ich das so schätzen würde, ist das wahrscheinlich zwischen 55 und 65.
Björn Wesler: Aber ich würde sagen, um das 60. Lebensjahr herum eigentlich ein bisschen vorher.
Björn Wesler: Dass man vorher schon sich Gedanken gemacht hat, welches Kind einem nachfolgen soll, ist häufig so.
Ralf Bröker: Vielleicht hat man sogar das Kind mal gefragt.
Björn Wesler: Ja, das auch. Das ist halt auch wichtig. Auch da, wir haben es beim letzten
Björn Wesler: Mal ja auch schon gesprochen, man hat manchmal ja mehrere Kinder und da auch
Björn Wesler: dann die Wahl auf das passende Kind, sage ich mal, ist dann halt auch schon eine wichtige Wahl.
Björn Wesler: So ähnlich wie beim Landwirt, da ist der Hof auch nur an ein Kind weiterzugeben
Björn Wesler: oder kann nur an ein Kind weitergegeben werden.
Björn Wesler: Auch Unternehmen können nicht immer zwingend aufgeteilt werden.
Ralf Bröker: Klaus, kommen die mit einer fertigen Lösung, so wird es gemacht oder sagen die,
Ralf Bröker: Mensch, Herr Niusener, Sie haben so viel Erfahrung, geben Sie uns mal einen guten Rat.
Klaus Niehüsener: Also die Idee ist oftmals da, dass ein Unternehmer sagt, ich will nicht bis
Klaus Niehüsener: 70, 75 mein Unternehmen weiterleiten, aber eine fertige Lösung aus der Schublade gibt es da auch nicht.
Klaus Niehüsener: Und die haben die wenigsten auch mit dabei. Es gibt viele, die sich da beschäftigt
Klaus Niehüsener: haben mit dem Thema, aber viele, die dann auch dankbar sind,
Klaus Niehüsener: wenn wir über unser Netzwerk da auch Impulse geben können und an,
Klaus Niehüsener: andere Stellen auch verweisen können, wo man weitere Informationen beziehungsweise
Klaus Niehüsener: auch vielleicht ein Konzept erarbeitet bekommt über Möglichkeiten,
Klaus Niehüsener: ein Unternehmen eben auch weiterzugeben.
Ralf Bröker: Zum Beispiel Anwälte, Notare und Steuerberater. Vermute ich,
Ralf Bröker: dass die da auch den einen oder anderen Rat haben.
Ralf Bröker: Wir reden hauptsächlich über das Thema heute Vermögensübertragung.
Ralf Bröker: Aber eine Lösung könnte doch auch ein einfaches Verkauf sein, oder?
Björn Wesler: Klar, das ist auch natürlich möglich. Also Fremdverkauf oder innerhalb der Familie
Björn Wesler: mit Finanzierung und allem Möglichen.
Björn Wesler: Das ist aber eine Sache, die man einmal mit dem Steuerberater durchgehen darf,
Björn Wesler: was denn da sinnvoll ist.
Björn Wesler: Und B ist es natürlich, wenn ich jetzt dann Kaufpreis bezahlen darf,
Björn Wesler: auch eine Frage der Liquidität des Kaufpreises und da spielt dann die Bank eine ganz, ganz große Rolle.
Ralf Bröker: Eine gute hoffe ich, Klaus, weil du ja dabei bist.
Klaus Niehüsener: Ja, tatsächlich. Oftmals ist es dann aber an der Stelle so, dass natürlich so
Klaus Niehüsener: ein Kaufpreis finanziert werden muss. Dann sind eher bei uns die Kollegen aus
Klaus Niehüsener: dem Kreditbereich mit am Tisch. Aber genau das ist das Thema.
Klaus Niehüsener: Finde ich jemanden, der mein Unternehmen übernehmen möchte, mir abkaufen möchte,
Klaus Niehüsener: ist der, passt der zu dem Unternehmen? Habe ich bei dem ein gutes Bauchgefühl
Klaus Niehüsener: und ist der auch bereit, den Preis zu bezahlen, den ich gerne hätte?
Klaus Niehüsener: Das sind so die Faktoren, die da eine Rolle spielen.
Ralf Bröker: Generell ist es ja so, dass bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern dieser
Ralf Bröker: Ertrag aus dem Unternehmen oder aber der Ertrag aus dem Verkauf,
Ralf Bröker: Übertragung des Unternehmens eine wesentliche Rolle auch für die Pension,
Ralf Bröker: also für den Ruhestand spielt.
Ralf Bröker: Diskutiert man das dann gleich sofort mit oder ist man da eher unter vier Augen
Ralf Bröker: unterwegs und sagt, was man gerne hätte? Oder hat man dann die ganze Familie
Ralf Bröker: da am Tisch und die reden auch darüber?
Björn Wesler: Unterschiedlich. Aber das Problem ist halt, je nachdem, wie groß das Unternehmen
Björn Wesler: auch ist und wie es aufgestellt ist, in den Jahren, wo der Gründer damit von
Björn Wesler: lebt, ist das ja wirklich gut.
Björn Wesler: Er kann eine Familie davon ernähren, aber je nachdem, wie er dann auch Altersvorsorge
Björn Wesler: betrieben hat, müssen nachher dann zwei oder mehr Familien davon unterhalten
Björn Wesler: werden oder ernährt werden. Und das kann dann schon mal schwierig werden.
Björn Wesler: Und deshalb können die Vorstellungen dann auch deutlich auseinander gehen,
Björn Wesler: wenn ich dann sage, ich möchte den Lebensstandard weiterhalten,
Björn Wesler: den ich vorher hatte und gleichzeitig soll mein Sohn oder meine Tochter dann auch noch davon leben.
Björn Wesler: Das ist nicht immer machbar.
Ralf Bröker: In meinem Umfeld war es sogar so, dass ein Unternehmer, der übertragen hatte,
Ralf Bröker: seine Großzügigkeit gegenüber allen anderen auch nach der Übertragung noch weiter
Ralf Bröker: gelebt hat und damit praktisch dem Nachfolger alle Möglichkeiten genommen hat,
Ralf Bröker: selber in irgendeine Richtung aktiv zu werden.
Björn Wesler: Ja, das ist auch ein Thema. Also ich kenne auch zwei, drei Unternehmer,
Björn Wesler: die noch immer ganz prägend in den einzelnen Unternehmen sind,
Björn Wesler: obwohl sie nicht mehr so die ganz tragende Rolle haben, in Klammern sollten.
Björn Wesler: Und das ist nicht immer gut.
Klaus Niehüsener: Das muss man auch können, Unternehmen abzugeben und loslassen zu können und
Klaus Niehüsener: zu sagen, ich habe jetzt den Nachfolger und der ist der Verantwortliche eben auch.
Ralf Bröker: Nicht nur, wenn man im Fernsehen die Hofgeschichten oder Land und Lecker oder
Ralf Bröker: sowas guckt, erfährt man, dass in der Landwirtschaft das auch passieren kann.
Ralf Bröker: Dass also der Hof übergeben worden ist, aber dass dann nicht mehr funktioniert,
Ralf Bröker: was denn die Generation, die abgegeben hat, sich denn da so vorstellt.
Ralf Bröker: Dann wird auf einmal von Schweine auf Gemüse umgestellt und dann gibt es ein Riesenthema.
Ralf Bröker: Aber die Verträge sind gemacht.
Björn Wesler: Ja, ist wahrscheinlich auch ganz gut. Also ich glaube, dass ja auch Unternehmen
Björn Wesler: sich irgendwann mal neu definieren dürfen oder auch der Hof vielleicht mal überlegen
Björn Wesler: muss, ist es noch sinnvoll, auf Rinderzucht oder Schweinezucht zu setzen oder
Björn Wesler: muss ich was anderes machen?
Ralf Bröker: Ich finde das spannend, also wenn es um Vermögensübertragung in Unternehmen
Ralf Bröker: geht, dass man dann eben auch nochmal über Landwirtschaft nachdenkt.
Ralf Bröker: Ich finde, dass Landwirtschaft ja hier bei uns in der Region eine sehr große Rolle spielt.
Ralf Bröker: Viel mehr als wenn man Zeitungen liest oder so wahrnimmt. Aber da findet so
Ralf Bröker: viel Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes statt.
Ralf Bröker: Das vergisst man gelegentlich. Wie ist das bei dir so im Alltag?
Ralf Bröker: Ist das häufig, dass es Landwirte sind, die auf dich zukommen?
Ralf Bröker: Oder ist es eher so Handwerk, Dienstleistung, der produzierende Mittelstand,
Ralf Bröker: der gewerbliche Mittelstand?
Klaus Niehüsener: Jetzt in meiner täglichen Arbeit bei unserem Private Banking gibt es da keine
Klaus Niehüsener: Unterscheidung. Da haben wir in allen Bereichen zu tun.
Klaus Niehüsener: Sowohl Landwirte, Handwerker, Selbstständige, aber auch natürlich der produzierende
Klaus Niehüsener: Mittelstand sitzt dort bei uns am Tisch.
Klaus Niehüsener: Was das Thema Vermögensübergabe angeht, würde ich gefühlt sagen,
Klaus Niehüsener: ist es bei Landwirten eher so, dass es wirklich innerhalb der Familie versucht
Klaus Niehüsener: wird, weiterzugeben oder weitergegeben wird.
Klaus Niehüsener: Und bei anderen Unternehmen es eher auch mal zu Unternehmensverkäufen kommt.
Ralf Bröker: Ist das bei dir auch so?
Björn Wesler: Ja, würde ich genauso sehen. Aber ich habe wenig Verträge, Hofübergabeverträge
Björn Wesler: in den letzten Jahren oder Hofverträge gehabt, wo dann ein Familienfremder den Hof übernommen hat.
Björn Wesler: Bei Unternehmen ist es schon anders, da kommen schon häufiger mal dann Personen von außen hin dazu.
Ralf Bröker: Also in meiner Verwandtschaft gibt es viel Landwirtschaft und da ist es so,
Ralf Bröker: da sind zwar auch Höfe aufgegeben worden nach der Übertragung,
Ralf Bröker: aber dann ging es eben um die Pacht und diese ganzen Einnahmen,
Ralf Bröker: die man da hat und in der Regel wurde dann das Bauernhaus umgeformt,
Ralf Bröker: da gab es eine Altenwohnung drin, wo dann die Eltern drin wohnen konnten, die junge Familie,
Ralf Bröker: auf die übertragen wurde, war da drin, aber die sind ganz normal arbeiten gegangen
Ralf Bröker: und haben dann eben die Gelder aus der Verpachtung der Felder und Wiesen bekommen.
Ralf Bröker: Das war so der Weg. Ja, spannend.
Ralf Bröker: Ist Dorsten da anders strukturiert als Kirchhellen und Bottrop?
Ralf Bröker: Weißt du das? Kannst du da was zu sagen, Klaus?
Ralf Bröker: Weil Dorsten erlebe ich ja als Stadt mit vielen kleinen Stadtteilen,
Ralf Bröker: die einerseits ländlich sein können, andererseits eher so urban,
Ralf Bröker: ruhrgebietlerisch unterwegs sind.
Ralf Bröker: Und in Bottrop ist das ja so, Bottrop eher ruhrgebietlerisch,
Ralf Bröker: Kirchhellen eher wieder ländlich.
Ralf Bröker: Muss man vielleicht danach unterscheiden?
Klaus Niehüsener: Das würde ich jetzt keine Hinweise finden, da irgendwo Unterschiede festzumachen,
Klaus Niehüsener: dass ich da was sagen könnte. In Bottrop ticken die Unternehmer anders als in
Klaus Niehüsener: Dorsten oder so. Das kann ich nicht sagen.
Ralf Bröker: Wie ist das bei euch in der Kanzlei? Ihr habt hauptsächlich eure Klienten hier direkt vor Ort, oder?
Björn Wesler: Genau, also wir sind tatsächlich sehr lokal, also wirklich Dorsten.
Björn Wesler: Wir haben auch Mandanten aus anderen umliegenden Städten, das ist auf jeden
Björn Wesler: Fall so, aber das hängt auch von den Rechtsgebieten ab und welche Kontakte man
Björn Wesler: über die Jahre geknüpft hat.
Ralf Bröker: Und Landwirtschaft ist viel dabei, Handwerk ist viel dabei, Dienstleistung.
Ralf Bröker: Haben sich denn die Fälle in den letzten Jahren erhöht?
Ralf Bröker: Ich gehe nochmal wieder auf Landwirtschaft. Da hört man ja häufig,
Ralf Bröker: dass Höfe aufgegeben werden oder die einzelnen Höfe größer werden.
Ralf Bröker: Wir kriegen das mit in den landwirtschaftlichen Genossenschaften.
Ralf Bröker: Da gibt es immer noch die gleiche Zahl der Mitglieder. Aber die,
Ralf Bröker: die da noch in der Produktion sind, die Zahl, die sinkt immer weiter.
Ralf Bröker: Deswegen müssen die landwirtschaftlichen Genossenschaften ja auch fusionieren,
Ralf Bröker: damit also die Zahl derjenigen, die zuliefern oder auch Düngemittel etc.
Ralf Bröker: Abnehmen, damit die also in einer wirtschaftlich vernünftigen Größe bleibt.
Ralf Bröker: Erlebt ihr das hier auch so?
Klaus Niehüsener: Das ist das eben von dir angesprochene Thema, Ralf, der Hofaufgaben.
Klaus Niehüsener: Die gibt es natürlich, dass eben gefühlt eine gewisse Größe da sein muss,
Klaus Niehüsener: um wirtschaftlich landwirtschaften zu können.
Klaus Niehüsener: Und ja, dadurch eben dann die Anzahl der produzierenden Betriebe in den letzten
Klaus Niehüsener: Jahrzehnten in der Landwirtschaft mit Sicherheit weniger.
Ralf Bröker: Das sind dann größere Mandate, nicht mehr so die ganz kleinen Firmengeschichten.
Björn Wesler: Ja, wobei ich überlege, weil vieles läuft dann tatsächlich ja darüber,
Björn Wesler: dass dann Flächen angepachtet werden nur, weil man gibt ja die Flächen nicht weiter.
Björn Wesler: Und da bin ich ja ganz außen vor, das kriegen wir ja gar nicht mit,
Björn Wesler: das läuft ja außerhalb unserer Räumlichkeiten.
Ralf Bröker: Wie oft kommt das eigentlich im handwerklichen Bereich und Dienstleistungsbereich,
Ralf Bröker: insbesondere dann bei kleinen mittelständischen Unternehmen vor,
Ralf Bröker: dass dann gar niemand gefunden wird, weder in der Familie, sondern auch außen
Ralf Bröker: vor und die sitzen dann bei euch und sagen, ich hätte aber gern,
Ralf Bröker: hast du nicht eine Lösung für mich?
Björn Wesler: Also ich glaube, es hängt so ein bisschen von der Größe des Unternehmens ab
Björn Wesler: und wie man aufgestellt ist. Also ich kenne so ein paar Unternehmen,
Björn Wesler: die mit relativ wenig Arbeitnehmern ausgestattet waren, wo der Inhaber auch
Björn Wesler: noch viel Selbstmüt gemacht hat.
Björn Wesler: Da wird dann auch schon mal das Unternehmen komplett aufgegeben,
Björn Wesler: dass man sagt, ihr könnt dann jetzt gehen.
Björn Wesler: Aber es gibt halt auch andere größere Unternehmen mit einer deutlich größeren
Björn Wesler: Anzahl von Mitarbeitern, da sucht man dann. Aber es ist genau das,
Björn Wesler: was ich gerade schon einmal angerissen habe.
Björn Wesler: Das ist dann ein Prozess, der sich über mehrere Jahre zieht und der schwierig ist.
Björn Wesler: Weil man auch jemanden finden muss, der bereit ist, das Risiko einzugehen,
Björn Wesler: weil das ist ja auch, Unternehmertum ist auch Risiko und der auch bereit ist,
Björn Wesler: das auch in Dorsten zu machen.
Björn Wesler: Oder in Kirchhellen oder Bottrop, früher auch immer hier bei uns in der Gegend.
Ralf Bröker: Und Klaus, kriegst du dann die Frage, hast du nicht jemanden für uns,
Ralf Bröker: der das dann kaufen will? Du kennst doch so viele Leute.
Klaus Niehüsener: Das kommt tatsächlich vor, dass wir auch von Kunden aktiv angesprochen werden,
Klaus Niehüsener: dass das Thema Unternehmensnachfolge, ich habe keinen Nachfolger,
Klaus Niehüsener: ich habe kein Familienmitglied, was es übernehmen will, keinen Mitarbeiter,
Klaus Niehüsener: dem ich das zutraue oder auch der es machen will.
Klaus Niehüsener: Und ja, über unser Netzwerk haben wir nicht nur bei uns im eigenen Kundenbestand
Klaus Niehüsener: natürlich die Möglichkeit, mal vielleicht,
Klaus Niehüsener: einen Kontakt herzustellen oder das mal abzuklopfen, aber tatsächlich,
Klaus Niehüsener: in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe, über unseren Verbund,
Klaus Niehüsener: über die DZ Bank gibt es auch ein Portal, wo wir tatsächlich das Thema Unternehmensnachfolge
Klaus Niehüsener: deutschlandweit sogar spielen können und auf Anfrage dann möglicherweise auch
Klaus Niehüsener: darüber Kontakte herstellen können.
Ralf Bröker: Sind solche Fragen bei dir auch platziert worden? Du kennst doch bestimmt jemanden.
Björn Wesler: Der… Ja, also ich kriege die Fragen auch mal gestellt, aber ich glaube,
Björn Wesler: dass für mich das viel schwieriger ist zu beurteilen.
Björn Wesler: Weil ich, also anders als dann die Vereinte Volksbank, die ja dann häufig auch
Björn Wesler: ein ganz anderes Kundenportfolio hat, als ich das habe, die wissen dann,
Björn Wesler: welcher Unternehmer oder welche Unternehmensfamilie denn da auch überhaupt für
Björn Wesler: in Betracht kommen würde.
Björn Wesler: Ich habe dann vielleicht mal eine Idee, aber das ist meistens ja dann auch vielleicht
Björn Wesler: was völlig Fachfremdes. Das bringt ja nichts, wenn ich jetzt einem Autohändler
Björn Wesler: sage, ich kenne jetzt einen Elektromeister, der würde dann im Unternehmen gerne
Björn Wesler: übernehmen. Das passt ja nicht.
Ralf Bröker: Ich kenne einen, der sich hier so mal selbstständig machen wollte.
Ralf Bröker: Der hat auch 1000 Euro auf dem Konto.
Ralf Bröker: Kann ich gut verstehen. Spielen kann man, spielen diese ganzen Berufsverbände,
Ralf Bröker: die es dann auch gibt für Freiberufler etc.
Ralf Bröker: Bei solchen Themen auch eine Rolle? Sind die da auch mit am Tisch?
Björn Wesler: Also die einzige Interessenvertretung sind die Landwirtschaftskammern.
Björn Wesler: Die machen dann viel in der Vorberatung, auch was steuerliche Themen betrifft für die Landwirte.
Björn Wesler: Aber andere, eigentlich weniger die Steuerberater, haben eine große Rolle,
Björn Wesler: wie ich das so festgestellt habe.
Björn Wesler: Die treten den Leuten dann auch teilweise auf die Füße und sagen,
Björn Wesler: also den Älteren, es wird Zeit, dass du was regelst und guck mal,
Björn Wesler: dass du dann wen findest.
Ralf Bröker: Sonst kommst du in fünf Jahren zu mir und fragst mich, warum ich nichts gesagt habe.
Björn Wesler: Ja, so ungefähr.
Ralf Bröker: Ja, für euch nochmal die Gelegenheit, jetzt auch so in Richtung Unternehmer,
Ralf Bröker: Unternehmerinnen, Landwirte, Landwirtinnen zu schauen und zu sagen,
Ralf Bröker: wenn man einen Rat hat für die, was wäre dieser Rat?
Klaus Niehüsener: Ja, das Thema kurz eben schon angesprochen. Wenn ich mich dazu entscheide,
Klaus Niehüsener: ein Unternehmen weiterzugeben und es weitergegeben habe, auch wirklich loslassen
Klaus Niehüsener: zu können und klar abzustimmen, welchen Auftrag habe ich als ehemaliger,
Klaus Niehüsener: oder als Altunternehmer noch im Unternehmen und was mache ich vielleicht auch nicht mehr.
Klaus Niehüsener: Also ich bin vielleicht noch platt gesagt der gute Launa-Onkel,
Klaus Niehüsener: mache noch mit Kunden, dass ich ein paar Kunden besuche, aber bin operativ erstmal
Klaus Niehüsener: raus aus Unternehmensentscheidungen und muss mich da auch dran halten und halten können.
Ralf Bröker: Der berühmt-berüchtigte Beratervertrag muss genau definiert werden.
Klaus Niehüsener: Genau.
Ralf Bröker: Was ist dein guter Rat?
Björn Wesler: Ich glaube, im Sinne einer vernünftigen Unternehmensfortführung regelmäßig und
Björn Wesler: auch schon frühzeitig anzufangen, zu überlegen, wie das Unternehmen dauerhaft
Björn Wesler: fortgeführt werden kann und das nicht erst machen mit 65, sondern vielleicht
Björn Wesler: auch wirklich schon mit 50 überlegen oder 55 überlegen,
Björn Wesler: mich selbst zu aufstellen, dass ich das loslassen kann.
Björn Wesler: Aus vielen Perspektiven heraus einmal emotional, aber halt auch wirtschaftlich,
Björn Wesler: weil es gibt ja nichts Schlimmeres, als wenn ich mit 70 noch arbeite,
Björn Wesler: weil ich arbeiten muss als Unternehmer. Ja, und das wäre es,
Björn Wesler: weil wir rechtzeitig tätig wären.
Ralf Bröker: Vielen Dank für die guten Ratschläge und für diese spannende Runde. Bis dahin.
Björn Wesler: Ciao.
Klaus Niehüsener: Danke auch.
Neuer Kommentar