Benz ohne Nagel: Warten auf die Jahresendrallye
Shownotes
Auf allen Ebenen wird diskutiert, demonstriert und Das Pulver trocken gehalten. Während in der Politik über die Richtung gestritten wird, wenn es um Frieden, Wohnungen und Inflation geht, sind die börsennotierten Unternehmen inmitten der Berichtssaison. Darüber – und welche Folgen das für eine mögliche Jahresrallye hat –, spricht Alexander Benz (diesmal ohne Nagel) in der neuen Folge des Volksbanktalks.
Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten
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Ralf Bröker: Mein Name ist Ralf Bröker und heute zu Gast meine beiden Kollegen Alexander Benz und...
Ralf Bröker: Ach du Jimini, da fehlt ja jemand. Alex, was ist los?
Alexander Benz: Hallo Ralf. Ja, der Kollege, der hat Urlaub und ist dementsprechend nicht dabei heute.
Ralf Bröker: Ja, Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.
Alexander Benz: Das stimmt tatsächlich. Also er ist in Italien unterwegs und genießt dort jetzt die Herbstferien.
Ralf Bröker: Und wir genießen, dass wir heute mal im Tätertät tatsächlich mal über das Thema
Ralf Bröker: Wirtschaft, insbesondere Wertpapiermärkte, sprechen. Und da ist ja im Moment
Ralf Bröker: einiges los oder man könnte auch sagen, es ist unruhig.
Alexander Benz: Definitiv. Also die Börsen sind gerade sehr, sehr turbulent.
Alexander Benz: Es ist dieser Cocktail aus angezogenen Anleiherenditen, Inflationsdaten,
Alexander Benz: politischer Börse, der gerade sehr, sehr viel Verunsicherung bringt.
Alexander Benz: Dazu haben wir Proteste aus Studentenbewegungen heraus, die Südeuropa in Atem
Alexander Benz: halten und auch da Unruhe schüren. Also die Gesamtgemengelage ist nicht ganz
Alexander Benz: einfach an den Kapitalmärkten zurzeit.
Ralf Bröker: Und dann eine politische Diskussion in Deutschland. Da geht es bei den einen
Ralf Bröker: um das Thema, wer führt das Bundesland Sachsen zum Beispiel?
Ralf Bröker: Oder wer führt die Bundeshauptstadt?
Ralf Bröker: Da geht es um Vergesellschaftung etc. Aber ich habe auch gehört,
Ralf Bröker: das Thema USA ist verblüffenderweise wieder auf der Tagesordnung.
Ralf Bröker: Da passiert auch einiges.
Alexander Benz: Definitiv. Was meinst du konkret in Bezug auf die USA?
Ralf Bröker: Naja, sagen wir mal so, wir sind es ja gewohnt, dass Herr Trump den einen oder
Ralf Bröker: anderen Punkt da in die Wirtschaft reinsetzt.
Ralf Bröker: Im Moment habe ich das Gefühl, es geht um.
Ralf Bröker: Jeden Tag in eine andere Richtung. Mal heißt es, ich kaufe 400.000 Tonnen Diesel,
Ralf Bröker: damit der Dieselpreis sinkt.
Ralf Bröker: Dann macht da wieder einen Rückgang in Richtung, die Ukraine kriegt doch wieder
Ralf Bröker: Informationen darüber, wie sich der Aggressor bewegt.
Ralf Bröker: Dann am nächsten Tag heißt es wieder, wir treffen uns mit ein paar Staaten und
Ralf Bröker: reden mal darüber, wie so ein Frieden aussehen könnte, bei dem Russland der
Ralf Bröker: Gewinner ist. Also ich sehe gar keine Richtung.
Alexander Benz: Da gebe ich dir vollkommen recht. Das wird auch durchaus bei den Kapitalmarktteilnehmern
Alexander Benz: mit sehr großer Unsicherheit beobachtet, weil man kann sich ja im Grunde genommen
Alexander Benz: auf keine Zusagen und Versprechen verlassen.
Alexander Benz: Das hat angefangen mit den eventuell abgesagten Waffenlieferungen in Richtung der Ukraine,
Alexander Benz: dann der Verzögerung beim Starshield-Netzwerk und bündelt jetzt im Grunde genommen
Alexander Benz: darin, dass man die Sanktionen gegenüber Russland, also den Graham-Akt,
Alexander Benz: den auch Donald Trump schon vorher unterschrieben hat,
Alexander Benz: im Grunde genommen auf den letzten Metern wieder ausgehebelt hat und sich dann
Alexander Benz: auch seitens der Amerikaner jetzt eher anfängt, Russland zuzuwenden.
Alexander Benz: Diesel und Öl im großen Stile wahrscheinlich einkaufen wird,
Alexander Benz: um die hausgemachten eigenen Probleme, was Energiekosten, Inflation,
Alexander Benz: Preisentwicklung in den USA auch betrifft, was ja auch jeder amerikanische Konsument merkt,
Alexander Benz: dem entgegenzusteuern und kurz
Alexander Benz: vor den Midterms so wahrscheinlich noch auf Wahlkampfstimmen zu gehen.
Ralf Bröker: Aber wir können uns ja auf einen Hort der Stabilität verlassen in den USA, das ist die FED.
Ralf Bröker: Die macht doch bestimmt jetzt im Moment genau ihren klaren strategischen Weg.
Alexander Benz: Das bleibt abzuwarten. Momentan macht die FED erstmal wahrscheinlich gar nichts.
Alexander Benz: Wir werden das in der nächsten Woche sehen. Die Notenbank-Sitzung steht dann an.
Alexander Benz: Derzeit befinden sich die Mitglieder der FED in der Schweigeperiode.
Alexander Benz: Das heißt, wir erwarten jetzt auch bis zum nächsten Mittwoch,
Alexander Benz: Donnerstag keine weiteren Reden der FOMC-Mitglieder und dahingehend erstmal
Alexander Benz: keine weiteren Impulse.
Alexander Benz: Inflationsdaten zuletzt aus den USA sind auch recht hoch ausgefallen.
Alexander Benz: Wir hatten eine Verbraucherpreisinflation von 3,7 Prozent.
Alexander Benz: Da ist man meilenweit von dem sich selbst gesteckten 2-Prozent-Ziel entfernt.
Alexander Benz: Und ja, das spricht eigentlich tendenziell für eine Zinserhöhung,
Alexander Benz: aber Kevin Walsch wird sich wahrscheinlich vor den Mitturms nicht die Blöße
Alexander Benz: geben wollen, irgendwie einzugreifen.
Ralf Bröker: Zumal ja die drei Prozent von Joe Biden, als er seine Präsidentschaft so beendet
Ralf Bröker: hat, natürlich viel höher liegen als die 3,7 Prozent von Herrn Trump.
Alexander Benz: Das müssen wir noch mal kurz erklären.
Ralf Bröker: Das sind mathematische Wunder, die in Wahlkämpfen aber dann durchaus mal vorkommen können.
Alexander Benz: Wenn man sich da nicht mehr daran erinnert bei den Amerikanern.
Ralf Bröker: Okay. Inwieweit beeinflusst das das Denken und Handeln von unseren Mitgliedern,
Ralf Bröker: Kundinnen und Kunden, wenn es um die Wertpapiere geht?
Alexander Benz: Ja, speziell, was bei Mitgliedern und Kunden natürlich nachgefragt wird,
Alexander Benz: sind ja auf unserer Seite jetzt eher diese Aktienthemen,
Alexander Benz: wo man schon sagt, man kann natürlich versuchen, diesen Rücksetzer,
Alexander Benz: den der Kapitalmarkt jetzt hat oder diese Verschnaufpause am deutschen Aktienmarkt
Alexander Benz: rund um die 25.000er Punkte Marke zu vermitteln.
Alexander Benz: Zu nutzen, um mal eine Position aufzubauen und leicht in den Markt reinzugehen,
Alexander Benz: in der Erwartung, dass ich vielleicht sogar bis zum Jahresende noch eine kleine
Alexander Benz: Rallye mitnehmen könnte.
Alexander Benz: Auf der anderen Seite gucke ich mir den Zinsmarkt an und sehe,
Alexander Benz: wie sich jetzt Anleiherenditen in Frankreich und USA entwickelt haben.
Alexander Benz: Bleibt das auch gerade ein sehr gefragter Markt, weil die Zinssätze und Renditen
Alexander Benz: natürlich schon sehr stark gestiegen sind und sich dort auch als Investor relativ
Alexander Benz: sicher, wenn man den Ratingagenturen glaubt, auch ein ganz guter Zins verdienen lässt.
Ralf Bröker: Und dann spielen so Studentenunruhen, nein, Schülerunruhen, muss man ja sagen, in Frankreich.
Ralf Bröker: Und diese Themen, die wir gerade in Richtung USA gespiegelt haben,
Ralf Bröker: die spielen dann keine Rolle.
Ralf Bröker: Also mich würde das ja eher verunsichern, sage ich ganz offen.
Alexander Benz: Politisch spielt das auf jeden Fall eine große Rolle, definitiv.
Alexander Benz: Also klar, das, was wir jetzt alle in den Nachrichten gesehen haben,
Alexander Benz: dass Leute bei Louis Vuitton und so weiter einbrechen, Taschen rausziehen,
Alexander Benz: hat glaube ich wenig mit Studentenprotesten zu tun, wo es jetzt um Bildungsthemen geht.
Alexander Benz: Aber man sieht halt, dass irgendwo eine gewisse Unzufriedenheit da ist,
Alexander Benz: dass wahrscheinlich wenig sozialer Dialog stattfindet in den jeweiligen Ländern.
Alexander Benz: Und die Energiepreise sich auch mehr und mehr zum Thema in der Bevölkerung machen.
Alexander Benz: Und das verleitet die Menschen dann natürlich dazu, das auch gebündelt in irgendeiner
Alexander Benz: Reaktion wiederzugeben.
Ralf Bröker: Zumal der französische Präsident ja am Ende seiner zweiten Wahlperiode steht
Ralf Bröker: und da muss man ja klar sagen, man weiß ja nicht, was danach kommt.
Ralf Bröker: Und dahin gehen doch die Langläufer bei den Zinspapieren oder sehe ich das falsch
Ralf Bröker: bei den Staatsanleihen?
Alexander Benz: Genau, also die zehnjährigen französischen Staatsanleihen, die notieren jetzt
Alexander Benz: mittlerweile bei einer Rendite von 4,9 Prozent.
Alexander Benz: Das ist schon recht teuer. Der Abstand zur Bundesrendite hat so mittlerweile
Alexander Benz: den höchsten Standbereich, den man lange Zeit gesehen hat.
Alexander Benz: Im Vergleich, deutsche Bundesanleihe 10 Jahre, da sind wir so bei 3,5 Prozent
Alexander Benz: von der Rendite her derzeit unterwegs und da sieht man schon,
Alexander Benz: dass dieses ganz Gesamtgefüge in der Eurozone ein bisschen auseinander driftet. Ja.
Ralf Bröker: Wo wir gerade bei Eurozone sind, die EZB, da höre ich ja im Moment gar nicht viel von.
Ralf Bröker: Liegt das daran, dass ich zu selektiv Zeitung lese?
Alexander Benz: Ich denke nicht, aber auch da gilt natürlich Ähnliches. Die EZB hat auch in
Alexander Benz: der nächsten Woche ihre Zinsentscheidung vor der Brust.
Alexander Benz: Auch da befindet man sich jetzt demnächst in der Schweigeperiode.
Alexander Benz: Von daher werden die Beiträge von Notenbänkern in den nächsten Wochen oder nächsten
Alexander Benz: Tagen jetzt natürlich auch sehr dünn ausfallen. bis gar nicht vorhanden sein.
Alexander Benz: Frau Lagarde hat angekündigt, dass die EZB voraussichtlich auch nichts an der
Alexander Benz: Zinsschraube drehen wird und da eher auf die Dezember-Sitzung schielt,
Alexander Benz: um vielleicht nochmal eine weitere Zinserhöhung umzusetzen, was ja auch schon
Alexander Benz: wieder Wahnsinn ist, wo man vor einigen Wochen nochmal über eher eine Zinssenkung gesprochen hat.
Alexander Benz: Scheint es jetzt eher wieder ausgemachte Sache zu sein, dass die EZB im Dezember
Alexander Benz: die Zinsen nochmals erhöhen könnte.
Alexander Benz: Im Dezember werden wir neue Prognosen bekommen, was die Inflationsentwicklung
Alexander Benz: und die Konjunkturentwicklung für die Eurozone betrifft.
Alexander Benz: Und deshalb ist man momentan auch bei der EZB eher im Beobachtermodus,
Alexander Benz: wartet jetzt erstmal ab, nachdem man im September schon mal die Zinsen angehoben
Alexander Benz: hat und guckt dann im Dezember, wie man nochmal nachsteuern kann.
Ralf Bröker: Ebenfalls Berichte sind zu erwarten von den Unternehmen. Was steht da jetzt an?
Alexander Benz: Die Quartalsberichtssaison, die du ansprichst, die ist voll im Gange,
Alexander Benz: sage ich mal. Wir haben jetzt den Quartalswechseljahr schon gehabt,
Alexander Benz: sind jetzt schon relativ fortgeschritten im Oktober. Die ersten Unternehmen
Alexander Benz: haben ihre Bücher aufgemacht.
Alexander Benz: Klassischerweise natürlich mit den US-Geschäftsbanken, die alle durchweg sehr
Alexander Benz: stabil abgeliefert haben und
Alexander Benz: über gute Ergebnisse auch insbesondere im Aktienhandel berichtet haben.
Alexander Benz: Und jetzt im Laufe dieser Berichtswoche kommen so die ersten Technologieunternehmen
Alexander Benz: mit dazu, also die großen Big Seven. Da wird am Mittwoch der Bericht von Meta-Plattforms,
Alexander Benz: schon ein gehöriges Gewicht haben.
Alexander Benz: Auch andere Unternehmen wie SpaceX, SAP, Tesla, da gibt es auch weitere Impulse,
Alexander Benz: die für diese Technologiebereiche natürlich schon wichtig sind,
Alexander Benz: da man insgesamt doch mit einem recht robusten dritten Quartal rechnen dürfte.
Alexander Benz: Wenn man den Experten vertrauen kann, dann gehen wir so von knapp 29 Prozent
Alexander Benz: Gewinnwachstum für das dritte Quartal aus, was schon einfach eine Menge ist
Alexander Benz: bei den Gegebenheiten, die wir derzeit haben.
Ralf Bröker: Wobei die Erwartungshaltung ja immer sehr hoch ist an diese Werte.
Ralf Bröker: Manchmal wird das ja befriedigt mit Raketenautos, die sich so auf die Seite
Ralf Bröker: drehen können oder mit der Idee, jedem neugeborenen US-Amerikaner eine Aktie zu schenken. Gibt es,
Ralf Bröker: Etwas, wo man auch sagen kann, europäische oder deutsche Werte und deren Quartalsberichte
Ralf Bröker: spielen im Moment überhaupt eine Rolle bei dieser ganzen Berichtssaison?
Alexander Benz: Auf jeden Fall. Weil viele unserer Kunden und Mitglieder, die sind natürlich
Alexander Benz: in den deutschen Werten investiert.
Alexander Benz: Die haben die Titel, die im DAX 40 vertreten sind, in ihren Depots drin.
Alexander Benz: Und da schaut man natürlich schon gebannt drauf.
Alexander Benz: Läuft das gerade, wo ich investiert bin? Macht das Sinn, da nochmal nachzukaufen?
Alexander Benz: Oder ist möglicherweise ein Punkt erreicht, wo das Wachstum sich scheint abzuebben,
Alexander Benz: dann macht es vielleicht eher Sinn, die Strategie neu auszurichten,
Alexander Benz: andere Titel hereinzunehmen, etablierte Unternehmen, die man lange investiert
Alexander Benz: hat, vielleicht rauszuschmeißen.
Ralf Bröker: Oder eine Gewinnmitnahme zu produzieren.
Alexander Benz: Oder eine Gewinnmitnahme auch zu produzieren, je nachdem, was dann entsprechend
Alexander Benz: jeden einzelnen Kunden, jedes einzelne Mitglied bei uns bewegt.
Ralf Bröker: Wie hieß nochmal dieser Spruch mit Sell-in? Ich glaube May oder so.
Ralf Bröker: Könnte es diesmal einen Sell im Herbst oder so geben?
Alexander Benz: Abzuwarten. Also es ist wirklich eine individuelle Entscheidung.
Alexander Benz: Meistens hat man ja doch zum Oktober, November hin diesen Beginn der Jahresendrallye.
Alexander Benz: Ich glaube, da warten sehr, sehr viele gerade drauf. Deshalb hält auch der ein
Alexander Benz: oder andere Kunde sein Pulver gerade trocken, um möglicherweise im entscheidenden
Alexander Benz: Moment dann dabei zu sein.
Alexander Benz: Und die Erfahrung zeigt oder die Historie zeigt, dass wirklich gerade so diese
Alexander Benz: Börsenmonate von November bis April ja durchaus sehr, sehr gut gelaufen sind in der Vergangenheit.
Alexander Benz: Deshalb wäre es schade, wenn man jetzt wirklich komplett einen Ausstieg macht.
Ralf Bröker: Vielleicht sollte man das auch vorher mit euch besprechen.
Alexander Benz: Auf jeden Fall.
Ralf Bröker: Wenn der Frank dann aus Italien wieder da ist.
Alexander Benz: Das ist absehbar.
Ralf Bröker: Alles klar. Alex, vielen Dank für die Runde und bis zum nächsten Mal.
Alexander Benz: Danke Ralf, bis zum nächsten Mal.
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